JobSpezial September 2008
Online-Tests zum Berufsstart – Top oder Flop?

Berufsneigungstest der WirtschaftsWoche

Den Berufsneigungstest der WirtschaftsWoche findet man gar nicht so schnell im Internet. Sicherlich kommt er an erster Stelle unter dem Stichwort „Berufsneigungstest.“ Unter anderem ist er auf dem Portal www.ausbildungplus.de in einer Liste mehrerer Berufswahltests aufgeführt. Das Portal AusbildungPlus wird vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) getragen und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Als Zielgruppe hat das Informationssystem „Azubis & Jugendliche“, „Bildungsanbieter & Betriebe“ sowie „Lehre, Forschung & Politik.“

Zurück zum Test der WirtschaftsWoche. AusbildungPlus erläutert dazu: „Der Berufsneigungstest der WirtschaftsWoche gibt 48 Tätigkeiten/Beschäftigungen vor, die Sie bewerten müssen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und kann sofort durchgeführt werden. Die Testauswertung gibt es direkt im Anschluss, sie enthält auch einige Berufsbeispiele, die zu den bevorzugten Tätigkeiten passen.“ Das hört sich vielversprechend an. Mal sehen, was der Test selbst über sich sagt. Unter www.wiwo.de/karriere findet man den passenden Link rechts unten unter „Servicetools“. Und schon geht es los. Da heißt es: „Berufsneigungstest: Dieser Test gibt Ihnen Auskunft über Ihre Berufsneigungen. Er besteht aus 48 Fragen und dauert etwa 20 Minuten.“ Gut, so ähnlich steht es auch bei AusbildungPlus. Los geht’s.

Positiv ins Auge fällt die Tatsache, dass der tatsächliche Zeitaufwand mit der Vorgabe übereinstimmt. Es werden immer Blöcke mit 5 Fragen gestellt, die beantwortet werden müssen. Darüber steht folgende Frage: „Wie interessant stellen Sie sich die folgenden Beschäftigungen vor?“ Tja und da wird so ziemlich alles gefragt. Ob man als Aushilfe tatsächlich gerne sortiert und so weiter. Mhm, also großes Interesse weckt das nun nicht am „Aushilfsdasein.“ Aber gut, auf den folgenden Bildern sind die Interessen sowie die Fertigkeiten des Kandidaten in Balkendiagrammen abgebildet.

Nach eingehender Beantwortung zeigt die Auswertung der Fertigkeiten auf Platz eins die emotionale und intuitive Begabung des Kandidaten. Platz zwei und drei belegen Ausdrucksfähigkeit und Handgeschicklichkeit. Zwar ist das ganz im Sinne des Kandidaten und seiner persönlichen Auffassung, was die Neigungen betrifft. Jedoch stellt sich die Frage, was er damit jetzt anfangen kann. Und das ist das Hauptproblem: Jeder Nutzer muss beim Berufsneigungstest eine Transferleistung schaffen, nämlich die Interpretation der vorliegenden Ergebnisse. Denn dabei handelt es sich mitnichten, wie vielleicht zu Beginn angenommen, um die Feststellung, dass man eher zu diesem oder jenem Beruf neigt. Es werden keine Empfehlungen für Berufsprofile oder Branchen gegeben. Sonst hieße der Test ja Berufsauswahltest und nicht Berufsneigungstest. Und insofern können die Macher der WirtschaftsWoche auch beruhigt sein: Sie wecken keine Erwartungen, die sie nicht erfüllen können.

Nachteilig wirkt sich aus, dass der Kandidat nicht erfährt, wie und von wem der Test entwickelt wurde und was mit den eingegebenen Daten im Anschluss passiert. Zugleich ist festzustellen, dass die Sicherheit zu wünschen übrig lässt. Eine verschlüsselte Verbindung, etwa wie im Online-Banking per https:// - Seite, wäre durchaus angebracht. Der Nutzer widmet sich ja in der Regel dem Test mit dem Ziel, über sich mehr zu erfahren und das geht nur, wenn man ehrliche und persönliche Antworten gibt. So ist es jedem gewieften Computerfreund möglich, die Daten abzufangen und zurückzuverfolgen.

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