JobSpezial September 2008
Online-Tests zum Berufsstart – Top oder Flop?

„Welcher Job passt zu mir“ von UNICUM

UNICUM kennt fast jeder. Das ist diese kleine kostenlose Zeitschrift, mit den großen Lettern, die an jeder Hochschule zum mitnehmen ausliegt. Meistens ja im Campus-Cafe, der Cafeteria oder der Mensa. Seit einiger Zeit bietet man auf der Internetseite mehrere Online-Tests zu beruflichen Orientierung an. „Proband“ von alma mater ist der Online Test mit dem schönen Titel „Welcher Job passt zu mir“. Man findet ihn rasch auf der Internetseite unter der Rubrik Job. Und gleich sticht dem Betrachter das Gütesiegel der Stiftung Warentest ins Auge. Gut (1,9) lautete im März 2007 das Urteil der Tester von Berufswegen her. Anderthalb Jahre später testet nun alma mater den UNICUM-Test.

Welcher Job passt zu mir? Hat sich der Kandidat auch schon des Öfteren gefragt. Inzwischen ist er unter die „semiprofessionellen Tester von Online-Tests für Berufsstarter“ geraten. Im Ernst, der Titel verspricht Einiges. Finde ich mit ihm den richtigen Job in der richtigen Branche? So könnte man denken, bevor man anfängt. Allerdings steht da auch, dass man „ein ausführliches Stärken- und Schwächenprofil erhält.“ Doch um loszulegen, muss man sich bei der UNICUM-Community erst mal registrieren. Naturgemäß erweckt die Registrierung Argwohn, denn man will ja schließlich nur den Test machen und hatte eigentlich nicht vor, dieser Gemeinschaft beizutreten. Aber es bleibt dem, der um seine Perspektiven wissen will, in diesem Fall nichts anderes übrig.

Dann heißt es warten „auf die weiteren Anweisungen“, welche per E-Mail zugeschickt werden. Das kann mitunter länger dauern, als gewünscht. Und leider ist das der Fall. Sicherlich, währenddessen kann anderes erledigt werden, doch irgendwie ist es unbefriedigend, weil man ja eigentlich gleich loslegen will und auf die Fragen gespannt ist. Ein Anruf bei UNICUM erledigt das Problem mit der E-Mail. Inzwischen konnte die Zeit mit einem kurzen Artikel für den Newsticker von alma mater hervorragend überbrückt werden.

Jetzt geht’s los. Und schon meldet sich Prof. Wottawa zu Wort, der den Test entwickelt hat. Er wünscht jedem Teilnehmer viel Erfolg bei der persönlichen Optimierung beruflicher Chancen durch die Teilnahme. Das ist aber nett. „Wenn Sie den folgenden Test bearbeiten, erhalten Sie zunächst eine Rückmeldung, wo Ihre persönlichen Stärken liegen und welche Art von Stellen dazu passt. Dazu gibt es einige Tipps, wie man erkennen kann, welche Besonderheiten eine angebotene Stelle wirklich hat…“ Prima. Aber was ist mit den Schwächen? Werden die auch herausgearbeitet oder ist der Test eine quasi Fortsetzung des „Positiv-Denk-Gefühls-wo-da-der-Klinsi-erfunden-hat“?

Sodann wird begonnen. Zunächst muss man ein paar formale Dinge klären, etwa den eigenen Status angeben. Es folgt die Aufnahme der bisherigen Berufserfahrung, etwa durch Praktika, Auslandsaufenthalte sowie Studienschwerpunkte. Alles aber in einem vernünftigen Umfang, der zu bewältigen ist. Da die Ergebnisse pro Seite immer gespeichert werden müssen, scheint das System bei den folgenden Fragen in Bezug auf die berufliche Zukunft sowie die eigenen soft skills immer Bezug auf die zuvor eingegebenen Tätigkeiten und Erfahrungen zu nehmen, was durchaus positiv ist. Was ein wenig irritiert, ist, das trotz der klaren Fragestellungen keine Angabe vorhanden ist, wie viele Fragen noch zu beantworten sind. Dies würde es dem Benutzer einfacher machen, den noch vor ihm liegenden Aufwand einzuschätzen.

Nach den Fragen zur beruflichen Zukunft folgen Logik-Tests. Dabei gilt es, „in Zeichnungen dargestellte logische Regeln zu erkennen und korrekt fortzuführen.“ O la la, das ist echt kompliziert und erfordert volle Konzentration. Der Kandidat merkt sofort seine innere Ablehnung bei dieser abstrakten „Zeichensprache“. Aber er macht weiter und fühlt sich so langsam wie ein VW-Käfer: er läuft und läuft und läuft… Im Anschluss folgen noch einmal logische Testfragen, die in zwölf Minuten zu bewältigen sind. Jetzt setzt sich so langsam am Rand ein „Wie-viel-man-schon-erledigt-hat-Balken“ in Bewegung. Schließlich erfolgt ein „verhaltenssituativer Test.“ Da werden aber interessante Fragen gestellt, wie zum Beispiel: „Wenn wirklich viel zu tun ist, kotzt mich meine Arbeit regelrecht an.“ Und jetzt soll der Kandidat äußern, ob das voll zutrifft oder überhaupt nicht. Naja, hängt wohl auch davon ab, wie man selber gerade drauf ist, nicht wahr?

Die Auswertung des Tests ist dafür recht umfangreich. Auf 18 Seiten werden die Testergebnisse erläutert. Auch hier ist nur die Rede von den Stärken, wohl weil man in der Ergebnissen ja beispielsweise sieht, ob man nun einen hohen, mittleren oder niedrigen Wert erhalten hat. Zudem steht nach jedem Ergebnis einer Frage die Frage: „Welche Stellen könnten gut zu Ihnen passen?“ Tatsächlich versucht man hier, aus den Antworten des Kandidaten eine Richtung oder Tendenz abzuleiten. Weist der Kandidat etwa eine niedrige Problemlösefähigkeit, einen schwach mittleren Wert für Selbstmanagement und eine hohe Stressresistenz auf, kommt es unter anderem zu folgender Aussage: „… Auch eine Sachbearbeitertätigkeit mit stressigen, aber fachlich nicht extrem schwierigen Aufgaben könnte für Sie geeignet sein. Denkbar ist ebenso eine Führungsposition, die sie intellektuell nicht allzu stark fordert....“ Mhm, der Kandidat musste schmunzeln, als er die Auswertung las. Man sollte vielleicht auch nicht jeden Satz allzu ernst nehmen…

Nachteilig wirkt sich der Zeitaufwand aus. Er dauert weit über eine Stunde. Sicherlich unvermeidbar, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Aber geht es nicht auch kürzer? Daneben fällt auf, dass bei der Anmeldung die E-Mailadresse erforderlich ist. Zudem ist die Bejahung des Erhalts eines „Wochenreports“ vorangekreuzt. Der Kandidat wird somit vor fast vollendete Tatsachen gestellt. Zudem ist nicht ersichtlich, was mit den persönlichen Daten passiert, was etwa Weitergabe oder Verarbeitung betrifft. Das sollte rasch geändert werden.

Eines noch: An einer Stelle wird man gefragt, was man mit einem Handy machen kann. Der Nutzer soll eine sinnvolle Buchstabensequenz eingeben. Das Gleiche wird im Anschluss für einen Laptop gefordert. Also irgendwie erweckt das den Eindruck, als wollte man sich hier der Kreativität des Nutzers bedienen, um demnächst innovative Vertriebskooperationen mit Handy- und Laptopherstellern zu beginnen. Etwa Nachrichten direkt aufs Handy in einem neuen Format zusammen mit einem frechen Spruch. Gibt man beispielsweise „Quark mit Kapuzinerkresse“ ein – zugegeben, ein wenig ungewöhnlich – wird man gebeten, es noch einmal zu probieren. Das heißt, bei vermeintlich kreativen Einfällen windet sich das System und schaltet auf sture Ablehnung. Und das, obwohl sie gefordert werden. Die Auswertung der Testergebnisse erhält man umgehend und auch bei Problemen erhält man einen kostengünstigen Support von UNICUM, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, wenn man sich der Hotlines und Call-Center erinnert, die man in seinem kurzen schon angesprochen und besprochen hat.


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