JobSpezial September 2008
Online-Tests zum Berufsstart – Top oder Flop?

Fazit

Am Ende dieses JobSpezial ist der Tester von alma mater hin- und hergerissen von den vielen Informationen, die ihm gegeben aber noch mehr abverlangt wurden. Die Idee hinter dem Thema des JobSpezial Septemeber 2008 war es ja gerade, mal das aktuelle Angebot von modernen und zeitgemäßen Hilfsmitteln zu studieren, die Berufsstarter, also Absolventen, Studenten oder Schulabgänger zur Verfügung stehen. Und wenn heute die Jobsuche in vielen Bereichen nur noch über das Internet abgewickelt wird, dann vielleicht auch die Suche nach der eigenen Befähigung, Neigung oder Fähigkeit im Hinblick auf einen künftigen Job. Inwiefern wurde die Ausgangsfrage durch die Tests beantwortet? Sie lautete, inwieweit die Online-Tests zum Berufsstart zur individuellen Entscheidungsfindung bei der Jobsuche beitragen können. Tja, eine Frage und tausend Antworten.

Gemein haben alle Tests, ob top oder flop, dass sie kostenlos sind und damit eine wichtige Vorraussetzung für mögliche Nutzer erfüllen, nämlich einen einfachen Einstieg. Auch muss man sich bei allen bis auf den Berufsneigungstest der Wirtschaftswoche registrieren bzw. anmelden und damit persönliche Daten hinterlegen. Und hier kommt es in der Regel zum ersten gravierenden Problem: Was passiert mit den Daten?

TOP 4

Sicherlich geben alle Betreiber mit Ausnahme der WirtschaftsWoche an, keine Weitergabe der Daten an Dritte zu betreiben. Wenn eine Weitergabe erwähnt wird, dann überhaupt nur für den eigenen Gebrauch, wie es beispielsweise bei der Allianz der Fall ist. Das alles geht in Richtung der beiden ersten Bewertungskriterien Seriosität und Validität. Die WirtschaftsWoche liefert dem Nutzer keinen Hinweis darauf, wie und von wem der Test entwickelt wurde. Ziel des Testes ist das Herausfiltern von beruflichen Fertigkeiten und Interessen des Nutzers. Die angenehme Anonymität – keine Registrierung – für den Nutzer fällt leider der unverschlüsselten Verbindung während des Tests zum Opfer. Somit kann der Berufsneigungstest nur beim Zeitaufwand und der Benutzerfreundlichkeit punkten. Zur technischen Unterstützung kann leider keine Aussage getroffen werden.

TOP 2

Der Test von UNICUM macht von Anfang an deutlich, das seine Macher einen hohen Anspruch an ihn besitzen. Das Gütesiegel der Stiftung Warentest verpflichtet. Das zeigt sich auch in der Offenheit, mit der Prof. Wottawa als Verantwortlicher für den Test erscheint. Von Beginn an wird per https-Verbindung klar, dass UNICUM die Expertise des Instituts in Bochum nicht verheimlicht. Einen Nachgeschmack kann die Registrierung hinterlassen, ist man sogleich nicht nur Nutzer des Testes, sondern auch Mitglied in der Community. Ist man während des Anmeldevorgangs unachtsam, übersieht man leicht den angekreuzten „Wochenreport“. Das und die Fragen rund um „Handy und Laptop“ irritieren und reduzieren die Validität. Der Zeitaufwand von weit über einer Stunde ist zuviel des Guten. Zugegebenermaßen ist es ein schwieriges Unterfangen, einen kurzen Test mit möglichst qualitativ gleichwertigen Informationen für den Nutzer zu erarbeiten. Aber vor diesem Problem stehen nicht nur Prof. Wottawa und seine Kollegen, sondern gerade auch Berufseinsteiger, die etwa ihre Bewerbungen kurz und knapp halten müssen und nicht immer sicher sind, das richtige Maß getroffen zu haben. Dagegen ist die Benutzerfreundlichkeit klar und deutlich und die technische Hilfe bei Problemen zügig.

FLOP

Der KarriereKOMPASS hat insgesamt das Nachsehen im Vergleich zur Konkurrenz. Das hat mehrere Ursachen: Erstens wird nur über Umwege deutlich, wer hinter dem Test steht. Es ist die Firma Centraltest, ein in Frankreich ansässiger Anbieter von onlinebasierten Berufs- und Karrieretests. Dementsprechend läuft auch die ganze technische Unterstützung über sie. Eigentlich kein Problem, doch E-Mails werden nicht oder mit erheblicher Verzögerung beantwortet. Positiv ist die kurze Bearbeitungszeit zu bewerten, die aber den Haken hat, dass man keine Auswertung bekommt. Da ist die WirtschaftsWoche mit Abstand bessser aufgestellt. Als einziger Test ist KarriereKompass teilweise kostenpflichtig, denn die Auswertung der 72 Fragen muss bezahlt werden. Prinzipiell kein Problem, aber im vorliegenden Fall von Nachteil, weil die übrigen Tests zeigen, dass es auch anders geht. Die Validität lässt vieles offen, der Test wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht, dem Nutzer die „richtige berufliche Richtung vorzugeben“. Grundsätzlich lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob das überhaupt sinnvoll ist. Zudem verfügt der KarriereKompass wie auch der Test der WirtschaftsWoche über keine gesichterte Internetverbindung und ist damit einsehbar für Dritte. Schließlich lässt die Seriosität zu wünschen übrig: Kein anderer Test bewahrt die Daten des Nutzer so lange auf, nämlich ganze 2 Jahre. Warum das so ist, erfährt der Nutzer nicht.

TOP 3

Die Potentialanalyse von Profilingportal ist ebenfalls mit einem Qualitätsurteil „Gut“ der Stiftung Warentest ausgezeichnet. Der Test ist benutzerfreundlich und als einziger in der Testreihe ermöglicht er es seinem Nutzer, zwischen den Frageblöcken zu wechseln bzw. die Reihenfolge der Beantwortung selbst zu bestimmen. Bei der Seriosität und Validität ist profilingportal auf der Höhe der Zeit. Eine Abrundung des klaren und übersichtlichen Auftritts wäre eine verschlüsselte Verbindung auf https-Niveau, womit die Validität gesteigert würde. Vor großem Nachteil ist der rekordverdächtige Zeitaufwand für die Fragen vpn über zwei Stunden. Beantwortet man alle Fragen, so benötigt man mindestens 190 Minuten, die 3 Stunden und 10 Minuten entsprechen. Kein anderer Test stellt den Nutzer auf eine solche Probe. Hier ist weniger auf jeden Fall mehr. Die technische Unterstützung durch Herrn Dipl.-Psych. Stefan Pitz persönlich kann den Zeitaufwand leider nicht wettmachen.

TOP 1

Letzter im Kreise der 5 untersuchten Online Tests zum Berufsstart ist der Perspektiven-Test für Studenten der Allianz. Der Test ist, was den Zeitaufwand betrifft, mit 60 Minuten im Soll. Zugleich verfügt er über eine klare und deutliche Navigation. Bei der Seriosität fällt auf, dass auch hier Prof. Wottawa von der Ruhr-Universität Bochum an der Entwicklung, Konzeption und Durchführung beteiligt ist. Das wird zum Teil auch am Aufbau des Tests und seiner Fragen deutlich. Neben UNICUM ist der Allianz-Test der zweite Test, der durch das Team aus Bochum betreut wird. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Geschmack des Nutzers ab. Jedenfalls gewährleistet diese Zusammenarbeit Qualität. Bei der Validität fällt der umfangreiche Auswertungsbogen ins Gewicht. Neben sämtlichen Fragen werden hier auf 26 Seiten tatsächlich Perspektiven und weiterführende Literatur für Berufseinsteiger aufgezeigt. Vom Umfang her übertrifft das sogar noch einmall die Auswertung von UNICUM mit 18 Seiten. Die Validität wird jedenfalls durch den hohen Grad an detaillierten persönlichen Daten in Mitleidenschaft gezogen. Darauf zugreifen können sowohl die Allianz als auch die Bochumer Experten, welche ja schon die Daten aus dem UNICUM-Test erhalten haben. Das ist etwas viel. Das die Allianz die Daten offen auch für die Zustellung von Informationen und damit zur Neukundengewinnung verwendet ist nachvollziehbar, aber zunächst nicht im Sinne des Nutzers. Dieser will lediglich den Test durchführen und gewisse Denkanstöße für seine Zukunft erhalten. Schließlich zeigt sich auch hier eine Servicementalität bei der technischen Betreuung, die führend ist. Insgesamt hat der Test der Allianz im alma mater Test für Online-Tests zum Berufsstart am besten abgeschnitten.

Weiter zur Gesamtauswertung und zur Checkliste