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Ausgabe 6/2003 - Rekrutierung mit Firmen Events
Recruiting-Trend: Events zur Förderung des Unternehmensimage

Wirklich passende Bewerber – die sogenannten Right Potentials – sind eine knappe Ressource. Im Ringen um die wenigen Zielkandidaten möchten Unternehmen bevorzugte Arbeitgeber sein. Diese Bevorzugung können Unternehmen vor allem mit dialogorientierten Maßnahmen erzeugen. Im direkten Dialog wird herausgearbeitet, warum Bewerber und Unternehmen besonders gut zueinander passen. Diese Kompatibilität ist die Basis für den Unternehmenserfolg und die Karriereentwicklung des Bewerbers.Bisher versuchen Unternehmen diesen Dialog durch Hochschulmessen, Recruiting Workshops oder Rekrutierungsmessen zu erreichen. Diese Maßnahmen sind persönlicher als Anzeigen, aber dennoch oberflächlich. Bei offenen Veranstaltungen ist für die beteiligten Unternehmen schwer planbar wie viele und welche Bewerber wirklich erscheinen. Das erschwert die Bereitstellung der benötigten Ressourcen. Ferner fehlt der exklusive Zugang zur Zielgruppe, denn das Feld der Wettbewerber ist groß. In den letzten 1-2 Jahren gewinnen deshalb für Unternehmen exklusive Bewerber-Events an Bedeutung.
Gemeint sind hier Inhouse-Bewerberveranstaltungen in den Unternehmen
selbst. Trendsetter sind wie so oft im Personalbereich größere Unternehmen.
Kaum ein Konzern, der sich in 2003 nicht mit mindestens einer eigenen Bewerberveranstaltung präsentiert hat. „Female Finance Forum”, „DaimlerChrysler Tour”, „High Tech Meeting”, „Graduate Panel” und „Financial Business Course” sind Beispiele für solche Inhouse-Events, mit denen Procter&Gamble, DaimlerChrysler, Bosch, die Deutsche Bank und Philips gezielt Potenzialkandidaten an ihr Unternehmen heranführen wollten. Es spricht vieles für diese Inhouse Events:

1. Unternehmen können ihre Heimstärke ausspielen und ihre “Schokoladenseite” zeigen.
2. An realen Arbeitsplätzen können Anwendungsfälle „live” präsentiert werden.
3. Recruiting-Effizienz: Alle relevanten Entscheider sind an einem Tag vor Ort.
4. Aufbau einer Bevorzugungsposition als Arbeitgeber bei der Zielgruppe.
5. Gewinnen von wichtigen Multiplikatoren,die vom Event erzählen.
6. Die Senkung künftiger Rekrutierungskosten wird dadurch ermöglicht.
Inhouse Bewerberveranstaltungen haben gegenüber anderen Maßnahmen einen unschlagbaren Vorteil: Das Unternehmen und die Produkte des Unternehmens werden bei Inhouse Events für die Bewerber förmlich greifbar. Welcher Maschinenbauingenieur findet es nicht umwerfend interessant, eine 100 Meter lange und drei Stockwerke hohe Großanlage wie z. B. eine Papiermaschine „live in Aktion” vor sich aufgebaut und arbeiten zu sehen oder an einem Projektmeeting mit „Original-Mitarbeitern” teilzunehmen? Ähnlich ansprechend ist es für einen Informatiker, durch die heiligen Hallen eines Konzern-Rechenzentrums geführt zu werden und aktuelle High Tech EDVLösungen im Einsatz zu sehen.

Recruiting-Trend - Events zur Förderung des Unternehmensimage „Unternehmen Live” und „High Tech zum Anfassen” sind dann auch häufig verwendete Formulierungen in der Ansprache der Zielbewerber. Gegenüber normalen Vorstellungsgesprächen haben Bewerberveranstaltungen aus Recruiting Sicht den Vorteil, dass in der Gruppe vielseitige Testverfahren anwendbar sind wie z. B. Fallstudien und Gruppenpräsentationen. Dadurch wird die Auswahlentscheidung sicherer und kompetenter. Es wird auch garantiert, dass die den Entscheidungen der Beurteiler zugrunde liegenden Szenarien, gleichartig sind. Insofern wird die Beurteilung der Teilnehmer durch verschiedene Personen besser nachvollziehbar.

Der Aufwand für die Durchführung solcher Veranstaltungen ist die Kehrseite der Medaille. Planung, Durchführung und Auswertung stellen hohe Anforderungen an das Projektmanagement für ein Inhouse Event. Das Teilnehmer-Betreuer-Verhältnis muss ausgewogen sein. Das Programm muss professionell umgesetzt, die Ergebnisse dokumentiert werden. Nicht zuletzt muss dafür gesorgt werden, dass auch genau die richtigen Kandidaten am Event teilnehmen. Nicht vergessen darf man die fundierte Auswertung der Eindrücke durch formalisierte und strukturierte Auswertungskriterien und -methoden zur Erfolgsmessung.

Kleinere und mittlere Unternehmen verzichten wegen des damit verbundenen Aufwandes oft auf die Durchführung eigener Events, obwohl sie sich hinsichtlich ihrer Attraktivität nicht vor den großen Unternehmen verstecken müssen. High Tech-Ingenieurdienst-leister, Softwarehäuser und mittelgroße Unternehmensberatungen sind dafür gute Beispiele. Bei richtiger Planung können auch kleine und mittlere Unternehmen mit Inhouse Events bei ihren Kandidaten punkten, ohne tatsächliche Mehrkosten gegenüber klassischen Marketingmaßnahmen in Kauf nehmen zu müssen. Ganz im Gegenteil sind hier tatsächlich Einsparungen möglich.

Die Größenordnung des Events und die Teilnehmerzahl muss klar umrissen werden. Die Festlegung der Einladungskriterien und der Anforderungskatalog für die Bewerber ist wichtig, damit auch wirklich die Right Potentials am Event erscheinen. Passende
Marketinginstrumente und Vorauswahlinstrumente müssen gefunden werden, um Streuverluste und unerwünschte Bewerbungen zu vermeiden. Sonst werden die Kosten der Vorauswahl unkalkulierbar hoch.Nicht selten verursachen Marketing und Vorauswahl die höchsten Kosten. Sorgfältige Durchführung aller Schritte und ein transparenter Auswahlprozeß sorgen dafür, dass alle Interessenten einen positiven Eindruck gewinnen. Immer wieder gab es Fälle, in denen hervorragende Events durch einen schlampigen und unpersönlichen Umgang mit den Bewerbern in der Summe schädlich für das Unternehmensimage waren.

Je nach Unternehmenssituation kann ein gut geplantes und richtig beworbenes Inhouse Event der Grundbaustein eines Personalmarketingkonzepts sein, um das herum sich andere Maßnahmen wie z.B. Hochschulmessen,Imageanzeigen, Workshops u.a. anordnen. Aus Zuschriften unserer Kunden wissen wir, dass gerade im konzeptionellen Bereich bei vielen Firmen Beratungsbedarf besteht. Aus diesem Grund werden wir die kommenden Ausgaben von „Der Recruiter” demThema Planung, Aufbau und Umsetzung einer „unternehmensindividuellen Personalmarketing-und Recruiting-Strategie” widmen.

Lesen Sie weiter: Mirror Marketing bei Bewerber Events

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